Puppen aus Brot in einem Steinkreis, ein mit Draht umwickelter Holzverschlag, auf dem Boden ein Foto von Schafen und ein Eimer voll Blut; Gestank nach Schlachthof macht sich breit. Die uruguayische Künstlerin Lacy Duarte stellte in der Installation „Die sauberen Hände“ („Las manos limpias“, 2004), gezeigt im vergangenen Jahr in Montevideo, ein Spannungsfeld zwischen der selbst erlebten Realität auf dem Land und der schmutzigen Geschichte ihrer Heimat her. „Duarte nutzt die Metapher des Lamms als Verweis auf die Unterdrückung vieler Menschen“, sagt Alicia Haber, Kommissarin des uruguayischen Pavillons an der Biennale in Venedig 2005 und Kritikerin der spanischen Tageszeitung „El Pais“. Das Trauma der Militärdiktatur in den siebziger Jahren wirkt in dem südamerikanischen Land bis heute nach.
Die Karriere der 1937 geborenen Duarte begann spät - in den Siebzigern mit politisch aufgeladenen Teppichentwürfen; Mitte der achtziger Jahre wechselte sie zur Malerei in starken Farben. 1996 dann der Bruch: Duarte verarbeitet ihre Kindheit in der Kleinstadt Mataojos de Salto und reduziert die Farbpalette auf ruhigere Töne. Erinnerungen an Spielzeug aus Holz und Brot, das die Mutter ihr als Kind bastelte, werden nun Bildmotive, und Duarte kehrt zum Handwerk zurück. Erste Objekte aus Rohleder, Lianen und Ästen erinnern an simple Tierfallen, mit denen sie sich bewusst von den europäisch orientierten Trends in der Hauptstadt Montevideo abgrenzt und Analogien zwischen Menschen- und Tierschicksalen herstellt. In Venedig präsentiert Duarte „Territorios/Territorio“ (2005). Jüngste Werktendenzen treffen hier aufeinander: Die Künstlerin will den Pavillon mit auf Leinwand genähten, düsteren Papierzeichnungen, „Lumpen“ („Traperas“, 2004/05), mit Spielzeug aus Brot, Objekten aus Holz, Erde und Ton ausstatten und so vom harten Landleben der Frauen in Uruguay erzählen.

(zitiert aus Art - das Kunstmagazin Nr. 6, Juni 2005, S. 17)

Derzeit sind keine Arbeiten von Lacy Duarte in der Galerie Latal erhältlich

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